Darum KEIN Dell
Da ich dringend ein neues Arbeitsgerät benötige und aus meinem Bekanntenkreis nur Gutes über den Computer-Riesen Dell gehört habe, fiel meine Wahl zum Kauf eines neuen Rechners auf eben diesen Anbieter.
Nach langen Recherchen im Web, vielen Konfigurationsdurchläufen im Dell Shop und ein paar Nerven weniger stand dann endlich mein Wunschsystem fest.
Ein Klick auf die Bestellen-Schaltfläche sollte meinen Wunsch Wirklichkeit werden lassen. Doch zu früh gefreut. In letzter Instanz – der Wahl der Zahlungsart – scheiterte mein Vorhaben vorerst.
Die verfügbaren Zahlungsoptionen GiroPay und Sofortüberweisung kamen für mich nicht in Frage, da ich kein Nutzer dieser Zahlungssysteme bin. Zahlung per Kreditkarte ging auch nicht, da ich mich diesem Zahlungsmittel bis heute verweigere. Blieb noch die Möglichkeit auf Rechnung zu kaufen. Prima, nichts lieber als das. Erst die Ware, dann die Kohle. So wie es sich gehört.
Nun möchte sich Dell – was ich durchaus verstehen kann – absichern und verlangt von gewerblichen Kunden einen Gewerbenachweis. Können sie haben, dachte ich und wählte wie verlangt, die auf meinem Bildschirm angezeigte Telefonnummer um mir ein entsprechendes Kundenkonto einrichten zu lassen.
Ab jetzt wurde es interessant. Nach dem Kampf mit dem Sprachcomputer landete ich in der Warteschleife. Die erste Mitarbeiterin, welche mich begrüßte, hatte offensichtlich die Funktion der Telefonzentrale inne und verband mich, nachdem ich mein Anliegen kurz geschildert hatte, mit der zuständigen Abteilung – dachte ich.
Doch zunächst durfte ich einen erneuten Plausch mit dem Sprachcomputer halten und mich Stück für Stück durch das Menü hangeln um endlich den richtigen Ansprechpartner an den Hörer zu bekommen. (Warum gibt es eigentlich das Fräulein an der Telefonzentrale? Kann sich das Telefonsystem nicht mit sich selbst verbinden?)
Nach gefühlten 5 Stunden in der Warteschleife meldete sich dann ein jüngerer Mann mit osteuropäischem Akzent und fragte nach meinem Begehren. Auch ihm teilte ich mit das ich gerne ein Kundenkreditkonto (so heißt das Ding nämlich) einrichten möchte um meinen Bestellvorgang beenden zu können.
Der gute Mann war zunächst scheinbar verwirrt. Offensichtlich hatte ich ihn mit Informationen versorgt mit denen er so rein gar nichts anfangen konnte. Er stammelte was von “vertretungsweise”, “Alienware”, “nicht helfen können” bis ich ihn von seiner Qual erlöste und nach der Durchwahl der zuständigen Abteilung fragte. “Das wäre dann wohl die »Kunden-Dings-Da-weiß-der-Geier« für Geschäftskunden. Die muss ich erstmal nachschlagen.” sagte er und schlug nach. Nach ca. 2 Minuten Warten wurde ich dann urplötzlich weiterverbunden (scheinbar gibt man bei Dell nicht gerne Durchwahl-Nummer preis).
Nach erneuten zwei Minuten landete ich wieder bei meinem Gesprächspartner, der sich für die lange Wartezeit entschuldigte und mir anbot es noch einmal zu versuchen. Ich nahm das Angebot an und wartete erneut zwei Minuten als sich plötzlich eine Frauenstimme mit dem Satz: “Ihre Auftragsnummer?” meldete.
Äh, jetzt war Ich erstmal sprachlos. Ja, halloooo erstmal, mein Name ist … hätte ich eigentlich erwartet. Doch die Dame schien namenlos und wollte auch gar nicht den Grund meines Anrufs wissen. Erstmal die Auftragsnummer. Auftragsnummern sind soooo praktisch … wenn man eine hat. Hatte ich aber nicht.
Ich schilderte der Dame mein Anliegen (eigentlich war es mittlerweile mehr ein Problem) und hoffte sie könne mir weiterhelfen. Konnte sie – wen wundert’s – nicht. Ich sei bei der Kundenbetreuung für Privatkunden, teilte sie mir mit und fragte ob ich Privatkunde sei. Nein, bin ich nicht. War ich nicht und möchte ich auch nicht werden. Langsam fing die Sache an mir mächtig an den Nerven zu zehren. Ich erzählte ihr kurz von meiner telefonischen Reise durch das Dell Imperium und wies sie höflich, aber bestimmt, darauf hin das ich die ganze Angelegenheit nicht mehr lustig finden würde und jetzt doch gerne ihre Hilfe in Anspruch nehmen würde.
“Ja, Moment” war durch die Leitung zu hören “ich verbinde sie mit einem zuständigen Mitarbeiter, bitte legen sie nicht auf.” – Tat ich aber doch!
Wenn die Dell Mitarbeiter in der technischen Abteilung genau so inkompetent sind wie die Callcenter-Angestellten, möchte ich bei Dell lieber kein Produkt kaufen. Und da ist mir dann auch egal was meine Bekannten sagen.
Ich werde mich jetzt im lokalen IT-Fachhandel umschauen und mir ein paar Angebote einholen. Tun wir doch mal was für den örtlichen Einzelhandel. Auch wenn es “vielleicht” ein wenig teurer ist, meine Nerven sind es mir wert.
Darum KEIN Dell.
Update
Nun ist er bestellt, der neue Rechenknecht, im örtlichen Fachhandel. Er ist zwar etwas teurer als ein vergleichbares Modell bei Dell, das nehme ich aber gerne in kauf. Zum einen weil er jetzt genau die Komponenten enthält die ich haben möchte und damit noch ein Stück besser und persönlicher ist als das Dell Produkt und zum anderen weil die Kompetenz des freundlichen Mitarbeiters den ganzen Dell-Frust wieder wett gemacht hat. Das war so einfach: Wunschkomponenten genannt – bei den Teilen bei denen ich mir nicht sicher war half der freundliche Mitarbeiter weiter – und am nächsten Tag hatte ich ein Angebot im Postfach. Wenn die Maschine jetzt noch hält was das Angebot verspricht bin ich überdurchschnittlich zufrieden.
