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Dreißig über Nacht

Montag, 16. März 2009

Es ändert sich nichts. Alles bleib wie es ist. Du bist nur ein Jahr älter – sonst nichts. Diese und ähnliche Kommentare darf ich mir seit Wochen anhören. Jeder hat einen schlauen – mehr oder weniger hilfreichen – Spruch auf den Lippen. Doch im Grunde rufen Sie alle das Gleiche: Alles bleibt so wie es ist.

Jetzt sind es nur noch wenige Stunden, dann werde ich die Grenze zu einem neuen Lebensabschnitt überschreiten, eine Grenze die vor mir schon unzählige Prä-Dreißiger überschreiten mussten und sie alle wurden mit diesen »nicht existenten Änderungen« konfrontiert.

Obwohl es nun mittlerweile der dreißigste Geburtstag ist den ich am eigenen Leib erfahre, und man eigentlich denken sollte das ich allmählich genug Übung und ausreichend Erfahrung besitze, ruhig und gelassen dem neuen Lebensjahr entgegentreten sollte, ist dieses Mal irgendetwas anders. Es fühlt sich komisch an.

Es fühlt sich an wie der permanente Spannungszustand eines Katapultes, das kurz davor ist abgeschossen zu werden. Doch es will mich nicht hinauf katapultieren in höhere Sphären – nein, es scheint eine Ebene tiefer zu zielen, auf eine Ebene wo an jeder Ecke Schilder stehen die mir permanent zurufen: Hey, du bist jetzt dreißig – langsam sieht man dir dein Alter an.

Da gibt es Schilder die mir vor mein geistiges Auge gehalten werden. Auf denen steht: Ab sofort wirst du nicht mehr als junger Mann bezeichnet. Oder sie deutet mit erhobenem Zeigefinger auf meine eilig weiterlaufende Lebensuhr und sagen: Ab heute musst du zur Vorsorgeuntersuchung für den Mann ab Dreißig.

Dann gibt es die realen Schilder, solche die von allen Seiten auf mich einschreien und mir zu verstehen geben wollen das sie ab heute interessant für mich sind – eine Bedeutung haben. Es sind Schilder die mich als Discogänger werben wollen und mir verschmitzt zuraunen: Du bist Ü30, du darfst jetzt auch rein. Auch die Verpackungen der Produkte für den Mann ab 30ig werden plötzlich laut und rufen: Kauf mich – du brauchst mich jetzt.

Wie wird es erst sein wenn die Vierzig oder Fünfzig winken? Werden die Schilder mehr oder größer? Rufen sie lauter?

Auch wenn sich nichts, absolut gar nichts ändert – wie immer alle sagen – frage ich mich warum man diese scheinbar nicht existente Änderung so deutlich spürt.

Ich wünsche allen die am morgigen Tag auch ihren dreißigsten Geburtstag begehen, alles Gute und Kopf hoch – es hätte ja auch die 40 sein können. ;-)

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